Benjamin Coulter
24.09.2017

Wenn Stricke reisen

Stricke reisen
15 Leute, 2 Hausboote, 1 Woche auf dem Lake Powell. Ein See mit tausenden langgezogenen Buchten im knallroten Gestein von Utah. Überwältigt von der schönen Natur, übersättigt von leckerem Essen, verwöhnt von den besten Margaritas und Martinis die ich je schmeckte. Ein Feuer am Ufer und gute Gespräche während es eindunkelte und wir den glasklaren Sternenhimmel bestaunten.

Und dann, einen Knall!

Ein Ankerungsseil ist gerissen.
Wenn wir anlegten, banden wir jeweils die beiden Boote zusammen und legten links und rechts einen Anker. Weil es an diesem Abend etwas mehr Wind hatte, legten wir auf der Wetterseite zwei. Zum Glück, sonst hätte es uns gekehrt und sehr wahrscheinlich gegen die Felswände geschmettert.
So schnell wir konnten, legten wir so viele Anker, wie wir irgendwie befestigen konnten und bemühten uns, alle Stricke möglichst gleichmässig zu spannen.
Das war knapp! Der Wind wurde heftiger und hielt die ganze Nacht an.
Geschlafen hab ich so wenig wie alle anderen, aber dann sah ich im Halbschlaf zwei Engel, die unsere Boote hielten.

War das Wunschdenken oder eine Vision? Ich wusste es nicht.
Zu Gott sagte ich: "Nein, das nehme ich nicht an, denn falls wir dennoch kentern, könnte ich nicht mehr an die Kraft deiner Engel glauben."
Stattdessen suchte ich meinen Pass und mein Portmonee zusammen und legte sie neben meine Schwimmweste. Regelmässig stand ich auf und zählte: eins, zwei, ... fünf ... jop alle Anker liegen noch fest. Die ganze Nach hindurch hielten sie uns, oder waren es doch die beiden Engel?

Auf jeden Fall haben wir Bewahrung erlebt. Hätten wir nicht von Anfang an einen zusätzlichen Anker gelegt oder wäre der Eine nur wenig später gerissen, so hätten wir keine Möglichkeit mehr gehabt, die Boote sturmfest zu sichern.