„schoeggeli“Ich bin gern bei meiner Grossmutter. In ihrer gemütlichen Stube tickt die Zeit etwas langsamer als sonst. Ihr ehrliches Interesse, wie es mir geht und ihre Gastfreundschaft ist eine Wohltat für meine Seele.

Vor einiger Zeit besuchte ich sie mit meinen beiden Nichten also ihren Uhrgrosskindern. S’Grossmuätti hatte ein Körbchen voll mit Schöggeli und gab uns allen eins. Meine beiden Nichten verschlangen ihre Schockolade in einem Atemzug. Eines der beiden Mädchen wartet darauf bis ihre Uhrgrossmutter etwas abgelenkt war, um dann zum Körbchen zu schleichen und sich schnell ein zweites Schöggeli in den Mud zu stopfen. S’Grossmuätti hat es nicht gesehen aber ich hab es gesehen und fragte mich, was ich jetzt tun soll.

Ich wusste, dass meine Grossmutter ihr sehr gerne ein zweites Stück Schokolade gegeben hätte, wenn sie danach gefragt hätte. Aber ich wusste auch, dass es sie beleidigen würde, wenn sie erfährt, dass die Kleine sich einfach selbst bedient hat. Ich wollte nicht, dass die Beziehung der Beiden schaden nimmt. Wollte es aber auch nicht ignorieren.

Klar eine Schöggeli zu klauen ist eine ziemlich kleine Sünde, aber wenn sie denkt, dass sie sowas einfach machen kann und es wieder tut und immer mehr tut, kann sehr schnell sehr viel mehr kaputt gehen. So fragte ich mich, ob ich etwas sagen soll oder nicht.
Wass hättest du getan?

Nun ich hatte ja auch ein Schöggeli bekommen und ich hab meines noch nicht gegessen. Als ich sah, dass meine Nichte sich ein zweites Schöggeli genommen hat, schlich auch ich mich zu dem Körbchen und legte mein Schöggeli wieder hinein. Dann nahm ich das Mädchen zur Seite und erkläre ihr, wieso ich das gemacht habe.

Ich hab der Grossmutter genau das zurückgegeben, was meine Nichte ihr genommen hat. Das ist Vergebung. Jetzt schuldet das Mädchen ihrer Urgrossmutter nichts mehr, für meine Grossmutter hat sich gar nichts geändert. Aber auch mir schuldet die Kleine nichts. Denn ich hab mein Schöggeli ja freiwillig gegeben. Und so ist – obwohl sie gestohlen hat – nichts kaputt gegangen.

Und genau das feiern wir an Ostern.
So wie ich mein Schöggeli gegeben habe, um diese kleine Sünde zu vergeben, damit die Beziehung von meiner Nichte und ihrer Urgrossmutter keinen Schaden nimmt.
So hat Jesus sein ganzes Leben geben, um all unsere grossen und kleinen Sünden zu vergeben, damit unsere Beziehung zu Gott keinen Schaden nimmt.

Frohe Ostern!

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