Ich liebe tolerante Menschen, weil sie kein Problem damit haben, wenn ich nicht tolerant bin.

Eine grössere Gruppe diskutierte über Toleranz, als ich dazu stiess und mit einem leichten Grinsen erklärte, dass ich tolerante Menschen mag, weil sie kein Problem damit haben, wenn ich intolerant bin. Den Meisten war klar, dass ich damit provozieren wollte und ignorierten mich darin aber jemand konnte nicht widerstehen, mir zu widersprechen.
Ich lehnte mich zurück, genoss es in vollen Zügen und mein Grinsen wurde immer breiter.
Je mehr er mir widersprach je mehr sah ich mich bestätig. Je mehr er darauf beharrte, dass ich falsch liege je mehr beweis er, dass ich recht hatte. Zumindest demonstriere er damit Intoleranz, während ich kein Problem damit hatte, seine Intoleranz zu tolerieren.

Aber ich war im Unrecht, aus mehreren Gründen.
Meine Schadenfreude darüber, dass er sich selbst zum Narren hielt, half weder ihm noch mir. Die überaus wichtige Diskussion über Toleranz hab ich durch Unstimmigkeit unterbrochen. Die Schattenseite meiner eigenen – in dem Fall unfairen und manipulativen – Gesprächsführung rückte ins Rampenlicht und verunmöglichte es eine ernsthafte Diskussion über die Schattenseite der Toleranz zu führen.
Toleranz ist nicht immer gut. Böses zu tolerieren ist böse aber noch schlimmer ist es, Toleranz von Andern einzufordern. So wie ein erzwungenes Geschenk nichts anders ist als Diebstahl, so ist erzwungene Toleranz nichts anderes als Unterdrückung.

Es ist intolerant, Intoleranz nicht zu tolerieren.


Ich irrte aber auch, weil ich glaubte, dass Toleranz beinhaltet nicht zu widersprechen. In Wahrheit hat Toleranz nur dann Bedeutung, wenn man nicht einverstanden ist. Wenn wir miteinander übereinstimmen unterstützten wir einander – tolerieren ist etwas ganz anderes.
Niemand versteht es als Kompliment, wenn man über sie sagt: „Ich kann sie tolerieren.“
Das Wort impliziert, dass mann nicht einverstanden ist und es einem lieber wäre, wenn es das was man toleriert gar nicht geben würde.

Toleranz, von (lat.) tolerare bedeutet etwas zu erdulden. Es ist die Bereitschaft etwas stehen zu lassen, mit dem man nicht einverstanden ist und Unrecht auszuhalten, anstatt sich zu wehren.
Weil wir als Christen glauben, dass Gott jede Lüge aufdecken wird, können wir es tolerieren, wenn jemand etwas sagt, das aus unserer Sicht komplett falsch ist. Aus dem gleichen Grund dürfen wir dem aber niemals zustimmen.
Weil wir als Christen glauben, dass Gott jedes Unrecht bestrafen wird, können wir es erdulden, wenn uns unrecht getan wird, und müssen uns nicht selbst rächen.
Bei Gott heisst Gnade eben gerade nicht, dass er auf Straffe verzichtet, sonder dass er, wenn wir zu ihm gehören auch die Verantwortung für uns übernimmt und die Straffe, welche auf uns fallen würde, auf sich selbst nimmt.

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