Geheilt

Aufgrund von meinem Bericht „Es hat nicht geholfen! – Er hat doch geholfen!“ wurde ich diese Woche gleich zwei Mal gefragt wie es eigentlich zu meiner Heilung gekommen ist. Hier meine Antwort.

Hmmm als ich langsam merkte, dass ich nicht so schnell wieder gesund werde, fingen scheinbar alle meine Freunde an zu schwärmen über Gottes Kraft, dass er heute noch Wunder tut und jeden heilen will, wenn wir nur glauben. Ich war ziemlich genervt… sollen sie doch für mich beten, wenn sie so viel Glauben haben. Aber dass konnten sie nicht, wollten nicht oder waren sich gar nicht bewusst, wie schlecht es mir ging.
Selbst betete ich fast ununterbrochen für Heilung und erlebte Gott grundsätzlich schweigend. Es vergingen hunderte von Stunden im Gebet, bis ich merkte, dass Gott schon mit mir sprechen wollte aber nicht, wenn ich ihm vorschreibe, was er zu sagen habe. Gott machte mir klar, dass die Krankheit nicht von ihm kommt. Sie ist nicht gut. Trotzdem werde er sie nicht einfach wegnehmen. Was ich wünschte war, dass Gott mich zurücknimmt in das unbelastete Leben, welches ich vorher genoss. Und genau dazu war Gott nicht bereit. Mein Leben zurück zu spulen würde heissen ca. 1 Jahr von meinem Leben zu verwerfen und Gott will nicht eine Sekunde davon verschwenden.
Darüber war ich nicht gerade begeistert. Sagte Gott, dass ich nicht einverstanden bin, klagte ihn an fluchte ihn an, wurde richtig wütend auf Gott und auf Christen, die mir mein Leben lang erzählten, dass es einem gut geht, wenn man Gott nachfolgt. Ich folgte Gott nach aber gut ging es mir ganz bestimmt nicht. Dann realisierte ich etwas, was mich zu tief beeindruckt. Obwohl ich Gott anschrie, ihm alle Schuld gab und ihn zutiefst beleidigte, wich er nie von meiner Seite. Er blieb bei mir, lies mich nie los. Und ich merkte, dass ich diesem Gott auch nachfolgen will, wenn es mir nicht gut geht. Trotzdem ich wurde immer schwächer, hatte Mühe überhaupt noch zu denken, geschweige denn zu beten. Dann erzählte mir eine ältere Frau, dass die Israeliten im Krieg nicht ihre besten Solldaten an die Front schickten, sondern ihre Musiker. Dass Loblieder, für Gott, ihrem Sieg immer vorausgingen. So wollte auch ich Gott Loben noch bevor der Sieg über mein Leid kam aber ich konnte nicht, so bat ich den Heiligen Geist er möge doch für mich übernehmen und durch meine Stimme Gott loben und tatsächlich fing ich an, Loblieder zu singen. Lieder, die ich kannte, aber ich fühlte mich komplett passiv dabei. Es war als würde ich mir selbst zuhören. Und das – denke ich – war der erste Schritt zur Heilung. Ein paar Monate Später besuchte ich eine christliche Konferenz. Nicht ganz freiwillig, hatte was anderes vor wurde aber versetzt so entschied ich mich, anstatt gefrustet nach Hause zu gehen, an diesem Anlass teilzunehmen, obwohl er schon längst begonnen hat. Als ich ankam, sprach der Redner über Befreiung … mehr habe ich nicht mitbekommen, vielleicht sprach er von Drogen aber das war mir egal ich wollte Befreiung und betet: „Ja Herr befreie mich“. Nicht mehr, nur diese Worte und sofort spürte ich wie eine Last von mir fiel. Ich weiss bis heute nicht wer oder was mein Krafträuber war aber in diesem Moment ist er gegangen. Was nicht heisst, dass ich gleich wieder fit war. Zu lang war ich überbelastet so wusste ich, dass es Monate dauern wird, bis ich mich erholt habe aber ich wusste, dass ich mich erholen werde. Ca. 9 Monate später reiste ich mit meinem Vater nach Amerika, wo er aufgewachsen ist. Ich sah viele wichtige Lebensstationen meines Vaters, lernte ihn einiges näher kennen und freute mich auch riesig an der Natur. Und dann kam es, völlig unerwartet, ich verspürte wieder Kraft in der Freude. Eigentlich hatte ich durch die ganze Leidenszeit vieles, worüber ich mich freuen konnte, aber die Freude gab mir keine Energie mehr. Diese kam zurück – und wie. Ich musste mich bewegen wie ein Kind und tanzte die Strasse hinunter. Zudem versprach mir Gott, dass ich nie mehr in den Zustand der kraftlosen Freude fallen werde. Was mir sehr viel bedeutet. Danach vergingen vielleicht weiter 3 Monate, bis ich mich ganz erholt hatte und ich körperlich wieder voll belastbar war. Seelisch jedoch trage ich Wunden – teils bis heute. Lange klagte ich Gott an, dass er mir so viel zugemutet hat. Ich wusste, wie ich andern vergeben kann, ich wusste, wie ich mir selbst vergeben kann, aber Gott vergeben? Wie soll das gehen? Davon erzählte ich einmal einem alten Pfarrer. Er sagte kein Wort, fing an zu weinen und umarmte mich… Dabei erlebte ich innere Heilung, die vielleicht noch bedeutender war als die Körperliche.
Vorletztes Jahr traf ich mich regelmässig mit einem therapeutischen Seelsorger und konnte einige Lebenslügen und Abwehrmechanismen verlernen, die ich mir dazumal angeeignet habe. Dazu lernte ich, all meinen Frust möglichst sofort vor Gott zu bringen. Ja ich klage Gott immer noch an – sogar noch häufiger als zuvor. Heute weiss ich, dass sich Gott sogar darüber freut. Denn, wenn ich es ihm nicht vorwerfe, dann verstecke ich es vor ihm wie sich Adam und Eva versteckt haben. Wenn ich ihn aber anklage, dann wende ich mich ihm zu, und zwar mit allem, was ich bin und habe. Genau das wünscht sich Jesus.
Heute geht es mir besser als je zuvor und ich liebe Gott mehr als je zu vor.
Nur manchmal holt es mich ein z.B. Wenn ich Leid von Andern mitansehen muss und nichts dagegen tun kann. Dann bestürme ich Gott, weshalb er eigentlich nicht eine Welt schaffen konnte in der Leid schlicht unmöglich ist… Solche Gedanken habe ich z.B. Vor ein paar Wochen in einem Blog-Post verarbeitet. Mit dem Titel „Ist die Hölle wirklich schlimmer als das Leben?“